Normale Kunstlinsen und Premiumlinsen

Die normalerweise bei der Operation des Grauen Stars eingepflanzten Kunstlinsen sind von sehr guter Qualität und werden von den Krankenkassen vollständig bezahlt: Sie werden aus flexiblem Material (Acrylat oder Silikon) gefertigt und bestehen entweder aus einem einzigen Teil oder drei Teilen (Abbildung Verschiedene normale Kunstlinsen). Sie sind sphärisch (kugelförmig gekrümmt), monofokal (ein Brennpunkt) und besitzen einen UV-Filter zum Herausfiltern des für die Netzhaut schädlichen UV-Lichts. In Hessen gehören zu den normalen, von den Krankenkassen vollständig bezahlten Linsen auch sphärische Blaulichtfilterlinsen (gelbe Linse in der Abbildung unten). Durch Herausfiltern von blauem Licht bieten Blaulichtfilterlinsen einen zusätzlichen Netzhautschutz bei altersbedingter Makuladegeneration (AMD).

Nachfolgend werden Premiumlinsen mit asphärischen, torischen und multifokalen Eigenschaften beschrieben. Diese werden häufig miteinander kombiniert: z.B. sind torische und multifokale Linsen alle auch asphärisch. Außerdem sind alle Premiumlinsen ohne oder mit Blaulichtfilter erhältlich. Bei der OP-Voruntersuchung können Sie mit uns besprechen, ob und - wenn ja - von welcher Premiumlinse Sie profitieren könnten.

Nur wenn Premiumlinsen eingepflanzt werden, müssen gesetzlich krankenversicherte Patienten von den gesamten Kosten lediglich die Mehrkosten für die teureren Premiumlinsen und die aufwändigeren ärztlichen Leistungen (bei Voruntersuchung, Operation und Nachkontrollen) selbst bezahlen (siehe Seite Mehrkosten von Premiumlinsen).

Die normalerweise eingepflanzten Kunstlinsen sind sphärisch, d. h. kugelförmig gekrümmt (siehe Strahlenbrechungsschema: blaue Linse). Bei sphärischen Linsen werden peripher einfallende Randstrahlen stärker gebrochen als die nahe der optischen Achse einfallenden zentralen Strahlen. Daher haben Randstrahlen und zentrale Strahlen unterschiedliche Brennpunkte. Dies nennt man sphärische Aberration. Die Folge ist ein reduziertes Kontrastsehen bei größerer Pupille, d. h. vor allem in der Dämmerung und bei Dunkelheit (siehe linke Bildhälfte in Abbildung Seheindruck).

1. Asphärische Linsen

Asphärische Linsen sind –  im Gegensatz zu den normalerweise eingepflanzten sphärischen Linsen – nicht kugelförmig gekrümmt, sondern peripher flacher (siehe Strahlenbrechungsschema: rote Linse). Somit werden Randstrahlen nicht stärker gebrochen als zentrale Strahlen, sie haben einen gemeinsamen Brennpunkt. Nach Einpflanzung asphärischer Premiumlinsen resultiert daher ein schärferes Kontrastsehen in der Dämmerung und bei Dunkelheit (siehe rechte Bildhälfte in Abbildung Seheindruck: sphärische Aberration (li), asphärische Linse (re)
Eine Aufstellung der Mehrkosten finden Sie unter: Mehrkosten von Premiumlinsen

2. Torische Linsen

Zusätzlich zu einem Grauen Star kann eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vorliegen. Während die das Auge nach vorne begrenzende Hornhaut normalerweise einem Fußball ähnelt (links in Abbildung Normale Hornhaut und Hornhautverkrümmung), gleicht sie bei Hornhautverkrümmung eher einem Rugby-Ball (rechts in selber Abbildung), der zwei unterschiedliche Krümmungen besitzt. Daher werden die auf die Hornhaut auftreffenden Lichtstrahlen je nach Krümmung unterschiedlich gebrochen und nicht in einem Brennpunkt gebündelt. Dies hat zur Folge, dass Gegenstände verzerrt und mit einem Schatten wahrgenommen werden (rechts in der Abbildung Seheindruck: normale Hornhaut, Hornhautverkrümmung). Eine Hornhautverkrümmung wird meistens durch zylindrische Brillengläser - mit unterschiedlich stark brechenden Achsen - korrigiert.     

Die Einpflanzung von normalen Kunstlinsen bei der Operation des Grauen Stars kann eine Hornhautkrümmung nicht korrigieren, daher sind auch nach der Operation zylindrische Brillengläser erforderlich. Jedoch können torische Kunstlinsen mit zylindrischer Funktion ins Auge eingepflanzt werden (Abbildung rechts). Dadurch wird eine bestehende Hornhautverkrümmung reduziert, so dass die zylindrischen Brillengläser nach der Operation schwächer werden. Im günstigsten Fall sind keine zylindrischen Brillengläser mehr erforderlich.

Wir implantieren torische Premiumlinsen bei einer Hornhautverkrümmung größer als 1 Dioptrie. In  etwa 5 - 10% ist eine Nachjustierung (Drehung der Linse) zur optimalen Korrektur nötig. 
Eine Aufstellung der Mehrkosten finden Sie unter: Mehrkosten von Premiumlinsen

3. Multifokallinsen

Die normalerweise eingesetzten Monofokallinsen haben nur einen Brennpunkt, meist für die Ferne. Dies hat zur Folge, dass Gegenstände in der Ferne scharf gesehen werden, Gegenstände in der Nähe jedoch unscharf: Mohnblume links in der unteren rechten Abbildung.

Multifokallinsen (Abbildung Schema Multifokallinse unten links) besitzen dagegen mehrere Zonen mit unterschiedlicher Brechkraft und mehreren Brennpunkten: für Ferne und Nähe (bifokale Linsen) sowie für den mittleren Sehbereich (trifokale Linsen). Daraus resultiert, dass Gegenstände in mehreren Entfernungen scharf gesehen werden können. Der Vorteil von Multifokallinsen ist daher ein gutes Sehen weitgehend ohne Brille, auch ohne Lesebrille: beim Blick in die Ferne (z.B. beim Autofahren oder Sport) uns in der Nähe (beim Lesen oder Handarbeiten) sowie - bei trifokalen Linsen - auch im mittleren Sehbereich (bei Bildschirmarbeit). 

Von den unterschiedlichen Multifokallinsen-Typen (bifokal, trifokal) bevorzugen wir trifokale Linsen, worüber wir Sie bei Interesse gerne informieren.

Multifokallinsen sind besonders empfehlenswert für Patienten, die sich unbedingt eine größtmögliche Brillenunabhängigkeit wünschen, da ihnen das Tragen einer Brille lästig ist. Sie haben eine Weitsichtigkeit oder höhere Kurzsichtigkeit und sind bereits alterssichtig. Sie haben keine sonstigen Augenkrankheiten (z. B. altersbedingte Makuladegeneration oder fortgeschrittener Grüner Star, Glaukom). Ihr Lebensstil ist aktiv-sportlich.

Multifokallinsen sind nicht empfehlenswert für Patienten, die keine Gleitsichtbrille vertragen. Multifokallinsen sollen auf keinen Fall eingepflanzt werden bei Berufskraftfahrern oder häufig nachts Auto fahrenden Personen, da das Kontrastsehen bei schlechten Lichtverhältnissen (Dämmerung, Dunkelheit, Nebel) etwas vermindert ist. Außerdem verursachen alle Multifokallinsen nach der Operation in gewissem Maße Streulichtphänomene (sog. Halos), die von den Patienten oft als „Heiligenschein“ um eingeschaltete Scheinwerfer oder Straßenlaternen herum beschrieben werden, meist in der Dämmerung und bei Dunkelheit. Nach einer Eingewöhnungszeit werden die Halos jedoch in den allermeisten Fällen nicht mehr als störend empfunden.

Wir empfehlen die Einpflanzung einer Multifokallinse an beiden Augen im Abstand von höchstens 3 Wochen, da dies den gewünschten Nutzen von Multifokallinsen deutlich verbessert, d. h. gutes Sehen weitgehend ohne Brille: beim Blick in die Ferne und in der Nähe sowie - bei trifokalen Linsen - auch im mittleren Sehbereich.
Eine Aufstellung der Mehrkosten finden Sie unter: Mehrkosten von Premiumlinsen

Unser Augenarzt Priv.-Doz. Dr. med. Volker Hessemer implantiert seit über 20 Jahren Multifokallinsen und hat mehrere grundlegende Arbeiten zu diesem Thema publiziert (Literatur 17, 18, 19).

4. Multifokal-torische Linsen

Bei diesem Premiumlinsentyp sind Multifokallinse und torische Linse kombiniert. Multifokal-torische Linsen können daher eine - zusätzlich zum Grauen Star bestehende - Hornhautverkrümmung und die Alterssichtigkeit korrigieren. Wie bei Multifokallinsen ist jedoch das Kontrastsehen bei schlechten Lichtverhältnissen etwas reduziert, und es kommt zu Streulichtphänomenen (Halos) nach der Operation, die jedoch nach einer Eingewöhnungszeit meist nicht mehr als störend wahrgenommen werden. Wie bei torischen Linsen ist in 5 - 10% eine Nachjustierung (Drehung der Linse) zur Korrektur der Achsenlage erforderlich.
Eine Aufstellung der Mehrkosten finden Sie unter: Mehrkosten von Premiumlinsen