Standardlinsen oder Premiumlinsen mit zusätzlichem Nutzen für das Sehen

Bei der Staroperation können Standardlinsen eingepflanzt werden, die von den Krankenkassen vollständig bezahlt werden. Sie sind sphärisch (kugelförmig gekrümmt) und monofokal, d.h. sie haben einen Brennpunkt – meist für die Ferne. Sie werden aus flexiblem Material (meistens Acrylat) gefertigt und bestehen entweder aus einem einzigen Teil (linke Linse in der Abbildung) oder drei Teilen. Sie besitzen einen UV-Filter zum Herausfiltern des für die Netzhaut schädlichen UV-Lichts und haben – falls erforderlich – auch einen Blaulichtfilter (gelbe Linse in der Abbildung) als zusätzlichen Netzhautschutz.

Standardlinsen sind von guter Qualität, jedoch ist das Kontrastsehen unter schlechten Lichtverhältnissen nicht optimal. Außerdem müssen fast 100% der mit Standardlinsen versorgten Patienten nach der Operation weiterhin eine Brille tragen: ca. 65% eine Brille für Ferne und Nähe (Gleitsichtbrille), ca. 30% nur eine Lesebrille und ca. 5% nur eine Brille für die Ferne.

Über Standardlinsen hinaus gibt es Premiumlinsen mit zusätzlichem Nutzen für das Sehen, die folgende Vorteile haben:

  • Das Kontrastsehen bei Dämmerung und Dunkelheit ist schärfer als bei Standardlinsen.
  • Eine Brille ist nach der Operation seltener als bei Standardlinsen erforderlich oder ist weitgehend überflüssig.

Es gibt folgende Premiumlinsen-Typen:
1. Asphärische Premiumlinsen für schärferes Kontrastsehen bei Dämmerung und Dunkelheit.
2. Torische Premiumlinsen zur Korrektur einer Hornhautverkrümmung, die zusätzlich zum Grauen Star vorliegen kann.
3. Multifokale Premiumlinsen für größtmögliche Brillenunabhängigkeit.
4. Premiumlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe (EDOF*-Linsen) für weniger Brilletragen im Alltag.

Bei der OP-Voruntersuchung in unserem Haus können Sie sich von uns beraten lassen, ob und – wenn ja – von welcher der genannten Premiumlinsen Sie profitieren könnten. Vor der endgültigen Entscheidung, ob eine bestimmte Premiumlinse für Sie in Frage kommt, müssen mehrere Spezialuntersuchungen durchgeführt werden wie z.B. die Vermessung der Hornhaut des Auges mittels Scheimpflugkamera (Pentacam ®) oder die exakte Untersuchung der Makula mittels optischer Cohärenztomographie (OCT).

Wenn Sie sich gemeinsam mit uns für die Einpflanzung einer Premiumlinse entschieden haben, müssen Sie als gesetzlich Krankenversicherter von den gesamten Kosten lediglich die Mehrkosten für die kostenintensiveren Premiumlinsen und die aufwändigeren ärztlichen Untersuchungs- und Operationsleistungen selbst bezahlen. Zur Info über die Mehrkosten scannen Sie den QR-Code. Kostenübersicht
Von den privaten Krankenkassen werden die Mehrkosten häufig übernommen. Auf Wunsch erhalten Sie von uns einen Kostenvoranschlag zur Abklärung bei Ihrer privaten Krankenkasse. 

1. Asphärische Premiumlinsen für schärferes Kontrastsehen bei Dämmerung und Dunkelheit

Sphärische Standardlinsen, die bei der Staroperation eingepflanzt werden können, sind kugelförmig gekrümmt (siehe Abbildung "Strahlenbrechungsschema bei sphärischen Standardlinsen und asphärischen Premiumlinsen"). Bei sphärischen Linsen werden peripher einfallende Randstrahlen stärker gebrochen als die nahe der optischen Achse einfallenden zentralen Strahlen. Daher haben Randstrahlen und zentrale Strahlen unterschiedliche Brennpunkte. Dies nennt man sphärische Aberration. Die Folge ist ein reduziertes Kontrastsehen bei größerer Pupille, d. h. vor allem bei Dämmerung und Dunkelheit (siehe untere linke Abbildung "Seheindruck mit sphärischer Standdardlinse").

Hingegen sind asphärische Premiumlinsen – ähnlich der natürlichen Augenlinse – nicht kugelförmig gekrümmt, sondern peripher flacher (siehe Abbildung "Strahlenbrechungsschema bei sphärischen Standardlinsen und asphärischen Premiumlinsen"). Somit werden Randstrahlen nicht stärker gebrochen als zentrale Strahlen, sie haben also einen gemeinsamen Brennpunkt.  Nach Einpflanzung asphärischer Premiumlinsen resultiert daher ein schärferes Kontrastsehen bei größerer Pupille, d.h. vor allem bei Dämmerung und Dunkelheit (siehe untere rechte Abbildung "Seheindruck mit mit asphärischer Premiumlinse").

Empfehlung: Asphärische Premiumlinsen sind die  Linsen der Wahl bei den allermeisten Patienten mit  Grauem Star, da sie ein – der natürlichen Augenlinse  entsprechendes – Konstruktionsprinzip mit  überlegenen optischen Eigenschaften aufweisen.
Wichtig: Auch die nachfolgend beschriebenen Premiumlinsen sind allesamt asphärisch (torische, multifokale und Premiumlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe).

2. Torische Premiumlinsen zur Korrektur der Hornhautverkrümmung

Zusätzlich zu einem Grauen Star kann eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vorliegen. Dabei hat die das Auge nach vorne begrenzende Hornhaut zwei unterschiedliche Krümmungen – ähnlich wie ein Rugby-Ball (siehe rechte Bildhälfte in linker Abbildung unten "Normale Hornhaut (li) und Hornhautverkrümmung (re)"). Daher werden die auf die Augenhornhaut auftreffenden Lichtstrahlen je nach Krümmung unterschiedlich gebrochen und nicht in einem Brennpunkt gebündelt. Die Folge ist, dass Gegenstände verzerrt und mit einem Schatten wahrgenommen werden (siehe rechte Abbildung unten "Seheindruck bei Hornhautverkrümmung"). Eine Hornhautverkrümmung wird in der Regel durch zylindrische Brillengläser – mit unterschiedlich stark brechenden Achsen – korrigiert. Allerdings ist die Brillenkorrektur bei größerer Hornhautverkrümmung nicht ideal.

Die Einpflanzung von monofokalen Standardlinsen bei der Operation des Grauen Stars kann eine Hornhautverkrümmung nicht korrigieren. Die Patienten müssen daher nach der Operation weiterhin zylindrische Brillengläser tragen. 

Jedoch können bei der Staroperation torische Premiumlinsen mit zylindrischer Funktion ins Auge eingepflanzt werden (linke Abbildung unten: "Torische Premiumlinse im Auge"). Dadurch wird eine bestehende Hornhautverkrümmung korrigiert oder zumindest reduziert. Torische Premiumlinsen ermöglichen daher ein scharfes Sehen nach der Operation ohne zylindrische Brillengläser.

Voraussetzung für ein erfolgreiches Operationsergebnis ist eine exakte präoperative Vermessung der Hornhaut und des gesamten vorderen Augenabschnitts mittels Scheimpflugkamera (Pentacam ®) und Laserbiometrie (IOL-Master®). Außerdem ist eine präzise intraoperative Achsenausrichtung der torischen Premiumlinse erforderlich. Gelegentlich ist nach der Operation eine Nachjustierung (Drehung) der torischen Linse zur Feinkorrektur der Achsenlage erforderlich. 

Empfehlung: Torische Premiumlinsen sind die Linsen der Wahl bei einer – zusätzlich zum Grauen Star bestehenden – Hornhautverkrümmung ab ca. 1 Dioptrie, denn sie ermöglichen ein scharfes Sehen nach der Operation ohne zylindrische Brillengläser.

3. Multifokale Premiumlinsen für größtmögliche Brillenunabhängigkeit

Monofokale Standardlinsen, die bei der Operation  des Grauen Stars eingepflanzt werden können, haben nur einen Brennpunkt, meist für die Ferne. Die Patienten müssen daher in fast 100% nach der OP weiterhin eine Brille tragen. 

Im Gegensatz dazu besitzen multifokale Premiumlinsen mehrere Brennpunkte: Die älteren Modelle sind bifokal (2 Brennpunkte für Fern- bzw. Nahbereich). Die modernen Modelle sind trifokal (3 Brennpunkte  für Fern-, Mittel- und Nahbereich). Moderne trifokale Multifokallinsen ermöglichen ein gutes Sehen im Fernbereich, Mittelbereich und Nahbereich (siehe Abbildung rechts) und damit eine weitgehende  Brillenunabhängigkeit nach der Staroperation. Bei längerer Bildschirmarbeit kann allerdings eine  Arbeitsplatzbrille erforderlich werden. 

Bei Tageslicht bieten trifokale Multifokallinsen ein nahezu natürliches Sehen. Jedoch können bei  schlechten Lichtverhältnissen (Dämmerung, Dunkelheit) unerwünschte Nebenwirkungen auftreten: erhöhte Blendempfindlichkeit oder Streulichtphänomene  (Halos) um Lichtquellen herum, die manchmal als „Heiligenschein“ beschrieben  werden. Wenn sich das Gehirn an die neue Optik  gewöhnt hat, werden die beschriebenen Nebeneffekte  jedoch in den allermeisten Fällen nicht  mehr wahrgenommen.  

Mit trifokalen Premiumlinsen kann auch eine weitere altersbedingte Sehstörung behandelt werden, die Alterssichtigkeit (Presbyopie). Sie tritt etwa ab dem 40. Lebensjahr auf und besteht meist schon lange vor einem Grauen Star. Bei der Alterssichtigkeit wird die Augenlinse starrer und verliert ihre Fähigkeit zum Scharfstellen in unterschiedlichen Entfernungen. Dies macht sich insbesondere durch zunehmend schlechteres Sehen in der Nähe bemerkbar. Im Volksmund heißt es dann „Die Arme werden länger“, da Alterssichtige (die nicht kurzsichtig sind) beim Lesen die Arme weiter ausstrecken.

Die Alterssichtigkeit wird üblicherweise korrigiert durch eine Lesebrille oder – wenn außerdem eine Kurz- oder Weitsichtigkeit und/oder Hornhautverkrümmung vorliegt – durch eine Brille für Ferne und Nähe (Gleitsichtbrille). Die Alterssichtigkeit kann jedoch gemeinsam mit dem Grauen Star durch Einpflanzung von trifokalen Multifokallinsen korrigiert werden, so dass nach der Operation eine (teure) Gleitsichtbrille oder Lesebrille weitgehend überflüssig sind.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Ergebnis nach Einpflanzung von Multifokallinsen sind: Außer einem Grauen Star und einer Alterssichtigkeit sollen keine sonstigen Augenkrankheiten wie altersbedingte Makuladegeneration (AMD), fortgeschrittener Grüner Star oder angeborene Sehschwäche vorliegen; es darf keine Unverträglichkeit einer Gleitsichtbrille bestehen.

Empfehlung: Multifokale (trifokale) Premiumlinsen sind empfehlenswert für aktiv-sportliche Patienten, die sich eine größtmögliche Brillenunabhängigkeit wünschen.

4. Premiumlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe (EDOF*-Linsen) für weniger Brilletragen im Alltag

Bei der modernen Operation des Grauen Stars stehen Kunstlinsen mit einem Brennpunkt (monofokal), mehreren Brennpunkten (multifokal) oder mit erweiterter Tiefenschärfe (EDOF*) zur Auswahl:

Monofokale Standardlinsen haben nur einen Brennpunkt, meist für die Ferne. Die Patienten müssen daher in fast 100% nach der Operation weiterhin eine Brille tragen.

Im Gegensatz zu monofokalen Standardlinsen haben moderne trifokale Multifokallinsen (s.o.) drei Brennpunkte. Sie ermöglichen ein gutes Sehen im Fern-, Mittel- und Nahbereich und damit eine weitgehende Brillenunabhängigkeit. Allerdings können mit Multifokallinsen bei schlechten Lichtverhältnissen unerwünschte Nebeneffekte (erhöhte Blendempfindlichkeit oder Halos) auftreten. Daher kommt dieser Linsentyp nicht für alle Patienten in Frage.

Ein neuer Linsentyp sind Premiumlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe (EDOF*-Linsen). Im Gegensatz zu Multifokallinsen haben sie nicht mehrere Brennpunkte, sondern einen erweiterten Brennpunktbereich – vom Fernbereich bis hin zum Mittelbereich (etwa einer Armlänge entsprechend). Dies ermöglicht ein brillenfreies scharfes Sehen in der Ferne und mittleren Abständen. Die meisten Alltagsaktivitäten wie Sport, Einkaufen, Autofahren, Haus- und Gartenarbeiten sowie Bildschirmarbeit sind ohne Brille möglich. Lediglich zum Lesen ist eine Lesebrille erforderlich.

Ein Vorteil von Premiumlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe gegenüber Multifokallinsen ist: Die bei Multifokallinsen unter schlechten Lichtverhältnissen beobachteten – wenn auch meist nur vorübergehenden – unerwünschten Nebeneffekte (erhöhte Blendempfindlichkeit oder Halos) sind bei Premiumlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe seltener.

Empfehlung: Premiumlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe sind empfehlenswert für Patienten, die im Alltag weniger Brille tragen möchten.

*EDOF: Extended Depth of Focus = erweiterte Tiefenschärfe