OP

Technik und Ergebnisse der Staroperation

Die einzig wirksame Behandlung des Grauen Stars ist die Operation, die heute fast ausschließlich ambulant durchgeführt wird. Die Operation des Grauen Stars – traditionell Staroperation genannt – ist die älteste Augenoperation und eine der häufigsten und erfolgreichsten Operationen in der gesamten Medizin. Sie wird jährlich in Deutschland bei etwa einer Million Menschen durchgeführt. Ursache ist die steigende Lebenserwartung und, daraus resultierend, die steigende Zahl von Patienten mit Altersstar.

Vorsicht: Das Live-Video rechts ist nicht geeignet für „zart besaitete“ Personen.

Technik der Staroperation

Der Operateur arbeitet sitzend an einem stark vergrößernden OP-Mikroskop (siehe Abbildung Staroperation mit OP-Mikroskop). Der Patient wird steril abgedeckt, incl. des nicht-operierten Auges. Das OP-Auge wird durch einen Lidöffner offen gehalten, die Pupille ist medikamentös erweitert. Der Patient kann keinerlei Operationsdetails wahrnehmen.

Die zwei Schritte der Staroperation sind: 1. Entfernung der getrübten Linse und 2. Einpflanzung einer Kunstlinse.

1. Entfernung der getrübten Linse

Mit einem ultrascharfen Messer führt der Operateur am seitlichen Rand der Hornhaut einen ca. 2 – 3 mm kleinen Starschnitt durch (siehe Abbildung Kleiner Starschnitt). Dann wird eine visköse Flüssigkeit in das Auge injiziert, die als Schutz für die empfindlichen Strukturen des Augeninneren dient. Im Anschluss wird die vordere Linsenkapsel kreisrund entfernt (Kapsulorhexis).

Danach wird über den Starschnitt eine Ultraschallsonde in das Auge eingeführt, und die getrübte Linse wird mit Ultraschall verflüssigt und abgesaugt – sog. Phakoemulsifikation. Die Abbildung Phakoemulsifikation = Linsenverflüssigung mit Ultraschall zeigt die seitlich ins Auge eingeführte Ultraschallsonde. Der Linsenkern ist in diesem OP-Stadium schon zum großen Teil entfernt.

Nach abgeschlossener Phakoemulsifikation bleibt von der Linse nur der hintere Teil der Linsenhülle – die sog. hintere Kapsel – stehen, um die im zweiten Schritt der Staroperation einzusetzende Kunstlinse abzustützen.

Bei der laserassistierten OP des Grauen Stars werden Teilschritte mit einem Laser (Femtosekundenlaser) durchgeführt. Diese Technik wird deutschlandweit in weniger als 2% der Staroperationen angewendet, sie hat keine Vorteile gegenüber der oben beschriebenen klassischen Technik und ist nicht die Methode der Wahl! Deshalb wird die laserassistierte Staroperation nicht von den Krankenkassen erstattet, sondern muss von den Patienten aus eigener Tasche bezahlt werden.

2. Einpflanzung einer Kunstlinse

Nach Entfernung der getrübten Linse wird eine Kunstlinse hinter der Pupille – in der hinteren Augenkammer – eingepflanzt (implantiert). Eine solche Hinterkammerlinse (Abbildung Hinterkammerlinse) besteht aus einem zentralen Scheibchen (Optik) und zwei Bügeln zur Verankerung der Linse. Der Optik-Durchmesser beträgt ca. 6 mm, der Linsen-Gesamtdurchmesser ca. 13 mm. Die Kunstlinse muss nicht eingenäht werden – sie fixiert sich selbst durch die Eigenspannung ihrer elastischen Bügel und wächst später im Kapselsack fest.

Um eine Kunstlinse mit den genannten Dimensionen durch einen kleinen Schnitt von nur 2 – 3 mm implantieren zu können, muss die Linse faltbar sein, d.h. aus flexiblem Material bestehen (meistens Acrylat).

Eine faltbare Kunstlinse wird mit einem speziellen Instrument (sog. Injektor) gefaltet, im gefalteten Zustand in die hintere Augenkammer eingesetzt, wo sie sich sofort wieder entfaltet.  In der Abbildung Faltlinsen-Implantation mittels Injektor ist dies gezeigt. Nach Implantation einer Faltlinse ist keine Naht zum Verschluss des sehr kleinen Starschnitts erforderlich. Diese nahtfreie Kleinschnitt-Technik (Literatur 11, Literatur 26) hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Operation des Grauen Stars heute fast ausschließlich ambulant durchgeführt wird.

Mit welcher Anästhesie wird die Staroperation durchgeführt?

Unsere Patienten erhalten zur Betäubung (Anästhesie) in der Regel nur örtliche Betäubungstropfen. Diese sog. Tropfanästhesie (Literatur 11) ist gut wirksam, fast komplikationsfrei und angenehmer als eine örtliche Betäubungsspritze. Außerdem können die Patienten schon direkt nach der OP wieder sehen („Instant vision surgery“).

Nur manchmal (bei unruhigen oder stark kneifenden Patienten) verwenden wir eine örtliche Betäubungsspritze hinter oder neben das Auge. Die Spritze bewirkt eine gute Schmerzausschaltung, sie ist jedoch mit einigen Komplikationsmöglichkeiten behaftet (Literatur 15, Literatur 21) und kann für die Patienten relativ unangenehm sein.

Zur Sicherheit werden alle Patienten durch unseren Anästhesisten Dr. med. Paul Michael Schmidt überwacht (Anästhesie-Standby). Dazu werden Herz, Kreislauf und Atmung kontrolliert, ggf. wird ein Blutdruckmittel verabreicht. Zur Schmerzausschaltung und Stressabschirmung (Literatur 1) werden Schmerz- oder Beruhigungsmittel intravenös gegeben (sog. Analgosedierung).

Eine Vollnarkose führen wir durch bei „einzigem Auge“ (z. B. nach verletzungsbedingtem Verlust des zweiten Auges), bei extrem schwierigen Operationsbedingungen oder bei jungen Patienten. Die Vollnarkosen werden durch unseren Anästhesisten Dr. med. Paul Michael Schmidt durchgeführt.

Ergebnisse der Staroperation

In einer Studie von Hessemer und Mitarbeitern aus der Universitäts-Augenklinik Gießen (Literatur 26) wurde die Sehschärfe nach minimal invasiver Operation des Grauen Stars untersucht (Abbildung Sehschärfe nach Operation des Grauen Stars). Schon am 1. Tag nach der Operation erreichten die Patienten eine Sehschärfe von durchschnittlich 80%, am 7. Tag nach der Operation sogar von durchschnittlich 95%. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies Durchschnittswerte sind, von denen sich im Einzelfall Abweichungen nach oben oder unten ergaben – letzteres vor allem dann, wenn eine zusätzliche sehmindernde Augenkrankheit bestand (z. B. Makuladegeneration oder fortgeschrittener Grüner Star).

Die schnelle Wiederherstellung der Sehschärfe nach der Staroperation ermöglicht, dass die normalen Alltagsaktivitäten von Anfang an wieder möglich sind: z. B. Spazierengehen, Teilnahme am Verkehr als Fußgänger, Zeitunglesen, Fernsehen, Einkaufen und Kochen (Literatur 37). Auch anspruchsvolle Tätigkeiten wie Autofahren und Fahrradfahren sind in den weitaus meisten Fällen nach wenigen Tagen wieder möglich (Literatur 37). Nicht selten wird sogar höchste Sehleistung wiederhergestellt, wie sie z.B. für Berufskraftfahrer erforderlich ist.

Die rasche optische und soziale Rehabilitation nach moderner Operation des Grauen Stars hat dazu geführt, dass dieser – heute praktisch nur noch ambulant durchgeführte – Eingriff zu einer der häufigsten und erfolgreichsten Operationen in der gesamten Medizin avanciert ist. Für die älteren Menschen mit Grauem Star ist die Operation ein Segen, da sie ein verloren gegangenes Stück Lebensqualität zurückbringt.

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